Juli 2018

Die Vereinigung Romano Gelmini leistet einen Dienst für die Menschen im Heiligen Land

„Wir machen keine größeren Arbeiten an der Infrastruktur, sondern wir übernehmen lediglich einfache und bescheidene Aufgaben. Wir haben auch mit manchen Menschen Freundschaft geschlossen und werden geschätzt, weil wir – mit ihren Worten – ins Heilige Land gekommen sind, nicht um den Menschen zu sagen, was sie machen sollen, sondern um sie in ihren kleineren Notsituationen zu unterstützen.“ Das ist der Ausgangspunkt von Gabriele Casadei, der über seine Erfahrungen bei der Associazione Romano Gelmini erzählt, der er als Präsident vorsteht. „Im Jahre 2006 wurde Ettore Soranzo von Bruder Pizzaballa, dem damaligen Kustos der Franziskaner, einberufen und mit der Aufgabe betraut, bei der Einrichtung eines technischen Büros mit Sitz in Jerusalem mit der Kustodie zusammen zu arbeiten. Somit folgen wir ihm und leisten unseren Dienst bei den Franziskanern der Kustodie an den Orten, die dem Orden seit über 800 Jahren anvertraut sind.“

Das waren die Anfänge. Seither begleiten uns jährlich etwa achtzig Freiwillige im Heiligen Land; sie stellen der Kustodie des Heiligen Landes ihre Zeit und ihre Energie zur Verfügung, indem sie bereit sind, jede nützliche Arbeit auszuführen. Diese Freiwilligen bieten ihre Dienste in derselben Art und Weise wie damals der Ingenieur Romano Gelmini an. (Er ist vor ein paar Jahren plötzlich verstorben, und die Vereinigung trägt seinen Namen.) Während ihres Aufenthalts wird die Arbeit der Freiwilligen normalerweise in vier Aktivitäten pro Saison aufgeteilt. Manche arbeiten in Klöstern, Schulen oder Krankenhäusern; andere streichen Wände neu oder montieren elektrische Schalttafeln; wieder andere widmen sich der Schreinerei oder den Schweißarbeiten. Wieder andere gibt es, die Gartenarbeit leisten sowie welche, die die Gegenstände in den heiligen Stätten und im Terra Sancta Museum reinigen.

Gabriele fährt fort: „Damit bemühen sich die Freunde von ATS pro Terra Sancta durch ihren Einsatz und ihre Aktivitäten, die Ortschaften und heiligen Stätten zu verschönern. Darüber hinaus sprechen sie durch ihre Projekte die Menschen vor Ort an, helfen ihnen mit Arbeitsvorschlägen, damit sie den Wert ihrer Person und ihres Seins durch Arbeit oder Projekte wieder erlangen können. Wir helfen ihnen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Das ist für Herrn Casadei ein wesentlicher Aspekt: „Mehr als alles Andere können diese Zeugnisse den Menschen im Heiligen Land die Aktualität der Lehre Jesu nachvollziehbar machen. Und wir selber begreifen durch unsere Aktivitäten, dass wir nicht gekommen sind, um jemandem etwas beizubringen. Lasst uns dagegen aufbrechen, um Jesus Christus mehr zu lieben! Das ist unser Sinn, unser Ideal, unser Herzenswunsch! Ihm wollen wir begegnen, folgen, dienen!“

Die Freiwilligen, die ein paar Tage im Heiligen Land verbringen, sind begeistert. „Ich bin seit vier Jahren jedes Jahr hier“ erzählt Adolfo Buffo. „Ich weiß vorher nie, was geschehen wird. Früher fragte ich mich manchmal, warum ich das tue, denn man weiß nie, was aus seiner Arbeit wird. Aber nach so vielen Jahren habe ich verstanden, dass man für sich selbst arbeitet, damit man erwachsen wird, nicht mit einem bestimmten Ziel im Auge.“

Andere Freiwillige denken wie Chiara, die nach ihrem ersten Besuch sich danach sehnte, nicht als Touristin ins Heilige Land zu kommen. „Ich wollte wissen, wie das Leben hier wirklich ist“, sagt sie. „Ich war von dem Gedanken fasziniert, dass ich dort unterwegs war, wo Jesus auch ging. Das Arbeiten, Beten und Zusammenleben mit fremden Menschen in der Maria Bambina in Jerusalem [eine Einrichtung für den Empfang der Freiwilligen, die von den Franziskanern betrieben wird – Anm. der Red.] ist ein wirklich außergewöhnliches Erlebnis. Am Wochenende haben wir die Gelegenheit, die heiligen Stätten zu besichtigen. Aber die Menschen haben mich am stärksten beeindruckt – die franziskanischen Brüder und Schwestern sowie andere, die hier leben und arbeiten.“ Ein Waisenhaus in Bethlehem – das Hogar Niños Institut – hat einen nachhaltigen Eindruck auf Ido gemacht, während Adolfo von einer Schule in Haifa beeindruckt war.

Schließlich fasst Gabriele zusammen: „Unsere Aktion gibt es nun seit etwa 15 Jahren. Viele von uns kehren auch ins Heilige Land zurück, nicht nur um einen Arbeitsdienst zu leisten. Wir machen hier eine kurze Auszeit, einfach um Freunde zu besuchen, so wie wir das auch bei Freunden in Italien machen, um bei ihnen vielleicht einen Kaffee zu trinken. Jesus selbst hat uns gelehrt, dass Freundschaft ein „Schatz“ ist, der einmal gefunden, nie mehr verloren gehen soll. Man soll alles unternehmen, um ihn nicht zu verlieren. Die Freundschaft soll vielmehr wachsen und gedeihen. Das gilt auch für viele Freunde, die im Heiligen Land leben. Obwohl sie umgeben von vielen Mauern leben müssen, haben sie die „Freiheit“ des Herzens entdeckt, die keine Mauer jemals unterdrücken kann. Ich bin davon beeindruckt, dass dies nicht nur zutrifft, wenn wir Freunde im Heiligen Land besuchen, sondern es ist eine allgemeine Wahrheit. Jedermann strebt in seinem Herzen und in jeder Lebenslage danach, auch wenn er zu Hause ist. Die Menschen dort sind von einer acht Meter hohen Stahlbetonmauer umgeben. Wir aber haben viele Mauern, die nicht aus Stahlbeton sind, sondern sie sind noch höher und noch fester. Sie halten uns davon ab, frei zu sein, in erster Linie frei von unseren Vorurteilen. Aus diesem Grund kommen wir hierher, nicht um zu lehren, sondern um den Schatz, der uns vor 2000 Jahren gezeigt wurde, zu teilen. Es gilt nun, diese Erfahrung wieder zu entdecken und sie zu bewahren.“

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