Dokumentieren, Archivieren und Katalogisieren der Güter der Kustodie des Heiligen Landes: der Bericht von Nando, einem ehrenamtlichen Helfer in Jerusalem

In ihrem dritten Monat in Terra Santa berichten italienische Jugendliche, die dank eines Abkommens zwischen ATS pro Terra Santa und der Universität Bari ihren einjährigen Zivildienst im Heiligen Land verbringen sollten, von ihren Erfahrungen, geleisteten Aufgaben und Eindrücken.

Hier ist nun der Bericht von Nando, 26 Jahre, mit einem Abschluss in Kunstgeschichte und voller Wissbegier:

„Während meines Zivildienstes war ich dem Planungsbüro der Kustodie zugeteilt, dem Büro also, wo man sich um ganz Wesentliches kümmert, wie um die Renovierung der Immobilien der Franziskaner in Heiligen Land, oder um die Kirchen und Heiligtümer in den Häusern der christlich arabischen Einwohner, die noch in der Altstadt leben.

Die Tatsache, mich im Innern eines Planungsbüros wiederzufinden, ohne die Qualifikation eines Ingenieurs oder Architekten zu haben, hat zu keiner Zeit ein Problem dargestellt oder Widerspruch hervorgerufen, wie ich anfangs befürchtet hatte. So war es mir gestattet, mich mit einer Vielzahl unterschiedlichster Aufgaben nützlich zu machen, und mich in interessanten, für mich gänzlich neuen Dingen zu versuchen und somit Vieles zu lernen.

In den ersten drei Monaten meines Dienstes bestand meine Arbeit hauptsächlich aus drei Dingen: zuallererst hatte ich den Ablauf der Renovierungsarbeiten am Konvent von San Francesco in Jerusalem (allgemein bekannt als „Coenaculum“ ‚Abendmahlsaal‘) zu verfolgen, indem ich täglich und wöchentlich fotografisch dokumentierte. Ich studierte zudem Zeitungsartikel, Bibliographien und Archivdokumente über die Architekturgeschichte des Gebäudes (seine Konstruktion, die Instandsetzungen über die Jahre, etc.) und seinen Werdegang im Innern der weitgefassten politischen und städtischen Geschichte der Stadt.

Schließlich begann ich damit, das Büro des Vorgänger Architekten der Kustodie, Pater Alberto Prodomo, neu zu ordnen, der in den langen Jahren seiner Aktivität eine Menge an Karten, Plänen, Bildern und vormaligen Objekten der wichtigsten Orte der Kustodie angesammelt hatte. So war aus seinen Räumen ein echter, wahrhaftiger, wenn auch kleiner „Schatz“ geworden. Im Besonderen war es meine Aufgabe, Ordnung in seiner schier unendlichen fotografischen Hinterlassenschaft zu schaffen, die der „Bruder Architekt“ angelegt hatte, und zwar in Hinblick auf die Schaffung eines Archives von Bildern zu den Arbeiten, die das Planungsbüro in den letztens Jahren durchgeführt hatte. Dies wäre ein nützliches Arbeitsinstrument, das man jederzeit für neue zukünftige Arbeiten des Büros an schon existenten Gebäuden befragen könnte, sei es als Mittel zur Dokumentation oder einfach als historisches Zeugnis des gesamten Lebens der Kustodie.

Schließlich, und das ist auch das aktuelle Projekt, in das ich eingebunden bin, bin ich dabei, die Kunstheiligtümer von Terra Santa zu katalogisieren, ein riesiges Erbe, sowohl was ihre Schönheit wie auch die Geschichte angeht und die es dringend nötig hatten, vollständig inventarisiert und geordnet zu werden, damit sie einem genauen Studium zugänglich gemacht werden können und bei dieser Gelegenheit kennengelernt werden können. Diese Arbeit ist wirklich eine große und glückliche Chance für mich, nicht nur von meinem Universitätsstudium und meiner persönlichen Leidenschaft zu profitieren, sondern auch, um Neues kennenzulernen, etwa, wie man einen kunsthistorischen Katalog erstellt, und zudem konnte ich meinen Erfahrungsschatz über heilige Orte enorm erweitern.

Neben den Hauptaufgaben, die des Öfteren an mich gestellt wurden, fehlte es jedoch auch nicht „besonderen“ Aufgaben, denen es, trotzdem sie nur gelegentlich aufkamen, nicht an Bedeutung, Faszination und Spannung mangelte.  Darunter war eine, die mich ganz besonders gefesselt hat: es war das Verfassen eines Artikels für die nächste Ausgabe der Zeitschrift „Terra Santa“ über die Franziskaner-Kirche von San Giovanni zu Acri: es war unglaublich faszinierend, die Reste  von einer der Städte der Kreuzzüge, für die Welt konserviert, zu sehen, und mich einzulassen auf das Studium der Geschichte der mittelalterlichen Kreuzritter, ihrer Kunst und ihrer Architektur.

Abschließend kann ich sagen: ich verbringe keinen Tag, ohne dass dieses Land und diese Arbeit, die ich aufgefordert bin zu tun, mir keine Gelegenheiten schenken zu lernen, und die Möglichkeit sowohl menschlich wie beruflich zu wachsen.

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