Januar 2013

Einige Erfahrungen von Pilgern nach der Rückkehr aus dem Heiligen Land

In der Folge haben wir einige Erfahrungsberichte von Pilgern zusammengestellt, die bereichert von den Heiligen Stätten zurückgekehrt sind.

Ich bewahre jeden Augenblick in meinem Herzen

Ich bedanke mich herzlich für den liebenswürdigen Empfang und die uns entgegengebrachte Aufmerksamkeit während der Pilgerreise. Ich bewahre jeden Moment, den ich in den heiligen Stätten verbracht habe, sorgsam in meinem Herzen auf.

Maurizio, im Juli 2012.

Eine Reise, nach der man nicht mehr ist, wie man vorher war

Während unserer Reise, die uns vom Ausgangspunkt Nazareth, über den Berg der Seligsprechung, den Tiberiassee, die Stadt Kafarnaum (in der Jesus gelebt hat, nachdem er Nazareth verlassen hat), die Geburtskirche in Betlehem bis zur Grabeskirche in Jerusalem geführt hat, haben wir eine stetige Intensivierung von Emotionen und das Eintauchen in den Glauben an Christus erleben dürfen. So lasse ich die Pilgerreise nochmal vor meinem inneren Auge vorbei ziehen: Die leichte Brise, die auf dem Berg der Seligsprechung geweht hat, die Fahrt über den Tiberiassee auf der ich mir vorstellte, wie Jesus den See überquert hat. Ich erinnere mich, wie früh wir aufgestanden sind, um die Basilika der Verkündigung, die Geburtskirche  sowie den Gottesdienst in der Grabeskirche um 5 Uhr 30 zu besuchen. Die Messe wurde von gregorianischen Chören und von einer Orgel begleitet und da nur wenige Gläubige anwesend waren, konnten wir die Grabesstätte Jesus länger als üblich besuchen.

Nicht zu vergessen ist der Besuch des Berges Tabor, von dem man eine atemberaubende Sicht auf das üppig grüne Esdrelon Tal hat. Bei der Aussicht musste ich unweigerlich an Christus denken, der dieselbe Aussicht genossen haben muss und den ganzen Weg bis zum Horizont zurückgelegt hat.

Auch der soziale Kontext dieser Orte hat mich nicht unberührt gelassen: Die Kontraste zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen sind wirklich spürbar…Mein Wunsch wäre es, ins Heilige Land zurückzukehren und mich auf die Stadt Jerusalem zu konzentrieren, die ich wegen einer Verletzung nicht vollständig sehen konnte. Ich sehe den Vorfall als Zeichen dafür, dass ich dorthin zurückkehren muss.

Ich möchte jede/n dazu ermutigen, sich auf diese Reise aufzumachen. Man ist danach nicht mehr, wie man vorher war und der Glauben, das Gott uns auf dem für uns bestimmten Weg begleitet und dass Christus auf die Erde gekommen ist um uns zu erlösen, ist während dieser Reise zu einer unerschütterlichen Überzeugung geworden.

Angela, im Februar 2012

70 Jahre und die Freude, ins Heilige Land zurückzukehren 

Es sind viele Emotionen mit einer Arbeits- und Pilgerreise ins Heilige Land verbunden, besonders, wenn diese Reisen (fünf in zwei Jahren) von einer 70-jährigen Frau wie mir gemacht werden. Ich gehöre zu einer Gruppe von Leuten, die sich entschieden hat, dem Heiligen Land, aber auch uns selber zu helfen, indem wir den eigenen Glauben festigen. Wir haben in Nazareth, Kafarnaum, Magdala, Jerusalem und anderen Orten gearbeitet.

Jede/r einzelne von uns hat sich wie Maria als eine auserwählte Person gefühlt. Ich empfinde daher eine unglaubliche Dankbarkeit Maria gegenüber, der barmherzigen Mutter der wir uns tagtäglich anvertraut haben und uns noch immer anvertrauen.

Jerusalem berührt, lässt einem ohne Atem und unabhängig davon, welcher Religion man angehört, muss man dort einfach beten, muss man sich einfach dieser Wesenheit anvertrauen, an die man glaubt.

Durch die Gassen von Jerusalem schlendernd, muss man sich immer wieder die gleiche Frage stellen: Welche Strasse nehme ich? Ich wähle die Strasse, die mich an die Liebe Gottes erinnert, ich wähle diejenige der Hoffnung. Ich erinnere mich daran, dass in diesem Land das Wort Gottes Wirklichkeit geworden ist und mitten unter uns ist! Ich glaube daran, dass Gott in jeder Situation ist, auch in den schwierigen. Und ich wähle die Freundschaft zu Personen, die mich daran erinnern.

Alba, im Mai 2012.

Das wahre Ziel

Im Jahr 2011 hatte ich die Möglichkeit, an der Pilgerreise teilzunehmen, die von der Kirchgemeinde SS Pietro und Paolo von Lissone, Italien organisiert und von Pino Caimi, dem Aufseher der Grabeskirche,  geführt wurde.

Das zentrale Thema der Pilgerreise war das Leben Jesus Christus, ein Thema das mich speziell interessiert. Unsere Reise entlang an weltbekannten aber auch unbekannten Orten war faszinierend. Israel war für mich bis anhin eine unbekannte Welt und ich war überrascht, folgendes vorzufinden:

–          Einen Staat, der trotz seines jungen Alters sehr gut entwickelt ist

–          Ungewöhnliche Panoramen: Grüne Landschaften, die sich mit der Wüste abwechseln, der Jordan und das Tote Meer und… Jerusalem!

CHRISTUS war mein Ziel, ich bin nach Israel gekommen um seine irdische Geschichte besser kennen zu lernen: Ich wurde bestärkt! Christus ist wirklich den Wegen und Orten Palästinas entlang gezogen! Ich war schon vorher davon überzeugt, aber mit eigenen Augen sehen zu können, was ich zuvor gelesen und in der Kirche gefühlt habe, hat mein Herz mit Dankbarkeit erfüllt! Das wirkliche Ziel ist es jedoch, Christus jeden Tag zu erinnern und ich werde mir bewusst, dass ich meinen Glauben dank der Kirche, den Brüdern, dem Katechismus und der Liturgie lebendig halten kann.

Michele, im März 2012.

Ein Treffen, dass die Pilgerreise bereichert hat

Ich möchte mich nochmal für eure Hilfsbereitschaft bedanken! Die Gespräche haben unsere schöne Pilgerreise noch zusätzlich bereichert. Ich wünsche euch, dass eure Arbeit Früchte tragen wird, so Gott will.

Fra Salvatore, im Juli 2012.

Zu Fuss auf den Spuren Jesus.

Wir sind eine Gruppe von 38 Personen aus Verona, die schon lange eine Pilgerreise zu Fuss von Acre nach Jerusalem unternehmen wollten. Nachdem wir die Reise aufgrund von Sicherheitsbedenken zwei Jahre lang aufgeschoben haben, sind wir im August 2008 endlich losgezogen und haben eine unbeschreibliche Wallfahrt erleben dürfen (für weitere Informationen siehe www.pellegriniverona.it)

Nach der Rückkehr hat ein Mitglied von uns untenstehenden Bericht geschrieben, damit wir unsere Erfahrungen mit Leuten teilen können, die ebenfalls ins Heilige Land reisen wollen aber wie wir von verschiedenen Bedenken zurück gehalten werden.

„Wir sind zurückgekehrt von einer Pilgerreise auf den Spuren Jesus, zu Fuss von Acre nach Jerusalem. Eine mörderische Hitze, enormer Enthusiasmus, Müdigkeit vielleicht, diskussionslose Bestimmtheit, die Tiefe von unauslöschlichen Gefühlen, Gebeten und Gesängen, gelebte Solidarität und Liebe, Geschichte und Aktualität, Zeugen die Zeugnis ablegen, unvergessliche Begegnungen, Pläne für künftige Zusammenarbeit, ergriffenes Studieren der Geschichte und ein berührendes Treffen mit lebendigen Steinen, christlichen Frauen und Männern im Heiligen Land. Und unter uns, fürsorglich und barmherzig ist Jesus.

Hier eine kurze Zusammenfassung unserer Reise:

Es ist unglaublich was wir gemacht haben. Die Küsten die wir gesehen haben, die Strassen denen wir entlang gelaufen sind, die Leute denen wir begegnet sind – all dies in zwei Wochen in denen wir sogar noch Zeit hatten, uns beim Baden im Tiberiasee und dem Toten Meer zu vergnügen – wie Normalsterbliche im Urlaub! Wir waren eine Familie von 38 Personen, Durchschnittsalter 60 Jahre.  Das beeindruckendste war, dass zum Teil ältere Leute mit Gebrechen dabei waren. Zwei hatten Herzschrittmacher, mehrere litten unter Arthrose, andere hatten nicht ganz perfekte Füsse, operierte Bänder oder Kreislauf-und Blutdruckprobleme. Trotzdem haben sie sich für eine Pilgerreise zu Fuss bei 40 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit angemeldet, bei der 25 Kilometer pro Tag unter der Sonne zurückgelegt und jede Nacht in einem anderen Bett geschlafen wurde…und sie haben es geschafft! Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Wenn Gott ein Geschenk anbietet, ist seine dankbare Annahme eine gläubige Pflicht.

Die Fähigkeit, solche Gelegenheiten wahrzunehmen auch wenn es einfachere Wege gäbe, bedeutet ein Beispiel zu sein, aus dem andere Leute in schwierigen Momenten Kraft schöpfen können. Die Kommunion, die Liebe, das Mitgefühl und das Wohlwollen das die Pilger verbindet haben den gleichen Effekt.

An gewissen Abenden führten Müdigkeit und Hitze zu kleineren Zänkereien, aber nach fünf Minuten vertrug man sich wieder und scherzte wie zuvor. Auch das ist Christentum. So wie Ruhe und Kraft finden, während man zusammen den Rosenkranz betet, wenn einen die Mutter Gottes tröstet oder man gemeinsam singt. So wie Essen und Trinken teilen, wenn es knapp wird. So wie das Teilen von Dankbarkeit, wenn sich eine unerwartete Erholung bietet wenn man am Rand der Erschöpfung ist. Dazu eine Episode die sich bereits am ersten Tag ereignet hatte, als wir auf dem Weg von Acre nach Ib’lin waren: Als wir gepeinigt von der Hitze um den Mittag herum am marschieren waren, sahen wir eine Laube mit Trauben in deren Schatten uns eine christliche Familie empfangen hat. Sie haben uns Trauben und Wasser gegeben und uns eine Kiste Tomaten geschenkt…wir wurden wiederbelebt!

Wir haben Orte besucht, die wir im Rahmen einer normalen Pilgerreise nicht hätten besuchen können: Die Stadt Acre, die Ausgrabungen in Nazareth, das Grab von Jetro in einer drusischen Wallfahrtskirche in Richtung Kfeir Hattin, das mutmasslichen Ruhestätte von Moses in der Nähe von Jericho, das Grab von Zacharias in Jericho, das Schifffahrtsmuseum in Genezareth und die Stadt Masada um nur einige Beispiele zu erwähnen. Daneben haben wir natürlich noch die „üblichen“ Heiligen Orte  in Jerusalem zu Fuss erkundet, ein wunderbares Erlebnis von grosser Intensität.

Wir durften auch einige wichtige Persönlichkeiten treffen: Der lateinische Patriarch von Jerusalem hat uns von den Christen im Heiligen Land berichtet und uns gesagt, dass wir uns alle zu Hause fühlen sollen, weil wir eine einzige Kirche sind. Es ist nicht wahr, dass in Palästina katholische Christen nur 2% ausmachen sind, hat der Patriarch gesagt, denn die Katholiken sind all die Millionen auf der ganzen Welt, die eine einzige Gemeinschaft, eine Familie sind. In Palästina fühlen sich die Christen nicht als Minderheit, weil sie wissen, dass alle Christen auf der Welt mit ihnen sind, und das sind sehr viele!

Das grosse Problem vor Ort ist die Emigration. Die palästinensischen Christen müssen verstehen, dass es ihre Mission Pflicht ist, da zu bleiben und das Heilige Land nicht zu verlassen sondern christliche Präsenz zu markieren. Was können wir von Italien aus beitragen? Der Patriarch hat uns die drei Möglichkeiten gezeigt: 1. Wallfahrt. Ins Heilige Land pilgern und so sichtbare Solidarität zu zeigen, mit eigenen Augen sehen, kennen lernen, mit der einfachen Präsenz stärken. 2. Beten. Alleine oder in Gruppen beten und Mahnwachen organisieren. 3. Projekte: Ein konkretes Projekt planen oder unterstützen um so die Christen und die Armen im Heiligen Land zu unterstützen.“

Renata, im März 2012

25 Jahre Ehe mit einer Reise nach Jerusalem gefeiert, mit einer Geste der Solidarität den Christen im Heiligen Land gegenüber

Als junges Paar sind wir viel gemeinsam gereist. Auch mit unseren ersten beiden Söhnen haben wir ein paar Reisen unternommen. Dann bekamen wir drei weitere Söhne und hatten somit mehr Verantwortung und Arbeit und weniger Zeit und Geld, das wir für Reisen sparen konnten. So vergingen die Jahre, schnell aber intensiv und plötzlich standen wir vor dem 25. Hochzeitstag. Ein Ereignis, das gefeiert werden soll, vor allem um unserem Herrn zu danken und neue Kraft aus dem Erneuern des heiligen Sakraments zu schöpfen: Eine Reise, das wäre schön, auch um ein bisschen Gemeinsamkeit zu haben! Nach einigen organisatorischen Schwierigkeiten, Arbeiten die unterbrochen und Söhne die versorgt werden mussten, haben wir die Feiertage währen dem Karneval genutzt, um unser so sehr gewünschtes Ziel zu realisieren: Eine Reise ins Heilige Land!

Es waren wenige, aber sehr intensive Tage. Wir haben sie mit Freunden verbracht, welche die Heiligen Orte bereits besucht haben oder die seit einiger Zeit dort leben. Sie haben uns zu den wichtigsten Orten geführt mit dem Wunsch uns den Glauben zu zeigen, der in diesem Land bekräftigt wird und sogar noch realer und konkreter wird.

Gleichzeitig wird man mit einer politischen und sozialen Realität konfrontiert die einem bewusst macht, wie wichtig die Anwesenheit von Christen in diesen Orten ist. Als wir zurückgereist sind, waren wir am Flughafen strengsten Sicherheitskontrollen und langen Wartezeiten ausgesetzt. Aber wir sind uns bewusst, dass nicht dies der ausschlaggebende Grund für die schwierige Abreise war, sondern dass es vielmehr die Geschichte, die uns mit Jesus, Maria und den Aposteln verbindet, ist, die es uns schwierig macht, das Heilige Land zu verlassen.

Wir fühlen uns tief mit diesem Land, seinen Düften und seinen Widersprüchlichkeiten verbunden. Als wir zu Hause angekommen waren und mit Familie und Freunden unser Jubiläum gefeiert haben, haben wir unsere Gäste darum gebeten, uns keine Geschenke zu machen, sondern für die Christen im Heiligen Land zu spenden. Zu unserer Begeisterung haben sich alle sehr grosszügig gezeigt. Wir schliessen uns also unseren Freunden an, um euch diese Gabe für das Heilige Land und die ganze Christenheit zu überreichen.

Barbara und Gianni, im August 2012

30 Mal in Jerusalem um den „Hüter des Gartens“ zu treffen

Nächsten Monat werde ich zum dreissigsten Mal nach Jerusalem reisen. Die erste Reise machte ich Ende der 80er Jahre als Pilgerin und Freiwillige in der Einsiedelei von Gethsemane.

Es war eine schwierige Zeit, denn es hatte noch nicht viele Leute und nicht viele Transportmittel, dafür einen Pater voller Tatendrang. Er wollte einen Teil des Olivengartens in einen Ort des Gebets und des Friedens verwandeln. Die Arbeit war hart, doch das Gebet und das Resultat unserer Arbeit gab uns Energie. Aber auch unser Inneres war sich am Wandeln, der „Hüter des Gartens“ hat uns berührt und uns verändert.

Nach all den Jahren sehe ich die Früchte, das Vertrauen und den Frieden, der auch in schwierigen Lebenssituationen im Herzen ist. Heute bin ich 78 Jahre alt, aber mein Geist treibt mich nach wie vor an, zurückzugehen, zu helfen und an mir zu arbeiten, indem ich trockene Triebe zurückzustutze, damit sie in meinem Innern spriessen können.

Inzwischen habe ich die Arbeit und den Ort gewechselt. Ein stilles Kloster sagt mir mehr zu. Das Bügeln und Nähen erlaubt mir innere und äussere Ruhe zu finden. Aber nie weit von Jerusalem! Es würde mir Unheil drohen, wenn ich dich vergessen würde, Jerusalem. Danke Herr, danke!

Mariangela, im Mai 2012

Kafarnaum ist auch mein Zuhause

Kafarnaum, eines der stärksten Gefühle. Hier spürt man die Vertrautheit mit Jesus, der Gast in Pietros Haus ist. Das Haus das zu einem Kirchenhaus wird, die Kirche die zu Jesus‘ Haus wird. Vor zehn Jahren war es ein grosses, explosives Gefühl, dieses Mal war es wie die Rückkehr nach Hause. Gerade heute, als ich mit dem Motorrad in der Gegend unterwegs war und am leuchtenden See vorbeifuhr, schweiften meine Gedanken zum See Genezareth.

Ich habe versucht die Unterschiede zwischen unseren Hügeln und denjenigen um den See herum zu erkennen und entdeckte einige: die Vegetation, die Ebene und die Gutshäuser. Im Bezug auf die Landschaft habe ich die Felder bemerkt, die gerade eben besät wurden und sie haben mich an das Brot und an Jesus denken lassen. Jesus, der sein Leben für unser ewiges Heil gegeben hat. Die mit Olivenbäumen bedeckten Hügel erzählen von Christus, dem Gesalbten und die Herden auf den Weiden erinnern an das Lamm Gottes, welches die Sünden der Welt hinweg nimmt.

So habe ich realisiert, dass die Unterschiede gar nicht so gross sind, denn auch hier ist es möglich, die Anwesenheit des Herrn zu spüren. Das Gefühl wurde noch viel intensiver mit dem Gedanken an Jesus, der Gast von Pietro war und auch Gast in meinem Haus, an meinem Tisch war und in meinem Bett geruht hat. Kafarnaum ist auch in meinem Haus…und mein Zuhause ist Kafarnaum.

Ilaria, im Mai 2012

So viel Reichtum in dieser Gemeinschaft

Einmal mehr kehren wir von unserer Pilgerreise im Heiligen Land zurück. Nichts als Reichtum in diesen gemeinsamen zehn Tagen. Das Leben der einen oder anderen färben ein bisschen auf uns ab, die naive Freude der einen, die Emotionen der anderen, die Entzückung dritter. Die Widerentdeckung eines Glaubens, der so tief in jedem von uns geschlummert hat! Der Glauben, der erwachte und bereichert wurde von den entdeckten Orten, den gelesenen Texten, den gemeinsamen Feiern, den Treffen die uns das Leben in diesem so komplexen Land vergegenwärtigten. Zehn Tage von der Welt abgeschnitten und gleichzeitig mitten in der komplizierten Welt, die das Heilige Land ist.

Pilgergruppe aus Limoges, im März 2012

Das Bestaunen des Jesuskindes und alle neuen Jesuskinder dieser Erde in Betlehem

Wir sind zu fünft losgezogen: Antonio, Maria Grazia, Lucia Samuela, meine Frau Carla und ich. Das Ziel war das Haus „Hogar Nino Dios“ in Betlehem zu besuchen, eine Institution in der sich Schwestern um palästinensische Kinder mit schwerer Behinderung kümmern. Wir wollten auch einen finanziellen Beitrag mitbringen, aber eigentlich hatten wir vor allem den Wunsch, die Schwestern und die Kinder wieder umarmen zu können und die Fortschritte der Restrukturierung des Hogars persönlich zu begutachten und zu sehen, was am dringendsten notwendig ist. Ausserdem wollten wir mit unserer physischen Präsenz unsere Solidarität den christlichen Brüdern und Schwestern gegenüber ausdrücken, die schwierige Situationen in den palästinensischen Gebieten erleben müssen. Wir hatten das Glück im Casa Nova übernachten zu können; eine Unterkunft für Pilgerreisende die von den Franziskanern des Heiligen Landes geführt wird. Die Unterkunft befindet sich unmittelbar neben der Geburtskirche und erlaubte es uns, um 6 Uhr morgens an der Messe in der Geburtskirche teilzunehmen. Nachdem wir das Jesuskind angebetet hatten, gingen wir ins bloss 100 Meter entfernet Hogar, um die neuen Jesuskinder zu besuchen, die kleinen PalästinenserInnen die von allen verstossen wurden und hier von den jungen Schwestern liebevoll aufgenommen und versorgt werden. Was uns im Hogar am meisten beeindruckt hat, war die Liebe mit der den Kindern geholfen wurde, das Lächeln und die Freude, die auch in schwierigen und schmerzhaften Momenten von den Gesichtern der Schwestern leuchtet.

Wir haben die Armut der palästinensischen Gebieten gesehen, die Rollläden der geschlossenen Geschäfte, die aufgrund der Wassernot oft unbestellten und trockenen Felder und wir haben die Schulen und Heime besucht, die von den Brüdern und Schwestern geführt werden und welche christliche und muslimische Kinder zusammen beherbergen und sie zu gegenseitigem Respekt erziehen. Die christlichen Palästinenser sind inzwischen zu einem kleinen Teil der Bevölkerung geworden, so auch in Betlehem, wo sie bis vor zehn Jahren die Mehrheit waren. Unzählige von ihnen sind angesichts der sozialen und politischen Schwierigkeiten ausgewandert.

Die Christen in Betlehem leben vor allem von den Pilgern, die seit dem Bau der Mauer jedoch immer weniger werden. So ist es für das Überleben der christlichen Palästinenser wichtig, auf Wallfahrt zu gehen. Aber eine wahre Pilgerfahrt ist keine eilige Reise zu den Heiligen Orten. Während einer solchen Reise soll man sich Zeit für die palästinensischen Christen in den Kirchgemeinden nehmen und die Schulen und Institutionen besuchen, die von Gläubigen geführten werden. Um den palästinensischen Christen zu helfen, unterstützt man am besten das lokale Gewerbe und entschliesst sich dazu, in Betlehem zu übernachten.

Franco, im Mai 2011.

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Schreiben Sie an info@proterrasancta.org, wenn Sie von Ihren Pilgerreisen, Ihren Begegnungen mit den Franziskanern an den Heiligen Orten und den Menschen im Heiligen Land berichten möchten.

Unterstützen sie die Heiligen Orte und die Menschen im Heiligen Land!

 

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