Gerusalemme scontri

Jerusalem ohne Frieden: Zusammenstöße gehen weiter

Amy Rodighiero17 Mai 2021

Mehr als 1000 verwundete Palästinenser, mehr als 250 Raketen aus dem Gazastreifen nach Israel, 28 Tote, darunter 11 Kinder, und 154 Verletzte in Gaza durch Luftangriffe, 2 israelische Frauen starben durch den Einschlag einer Rakete. Die Zahlen, die das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Einsätze (OCHA) veröffentlicht, sind beredt, beschreiben aber nicht vollständig die angespannte Situation, die wir hier in Jerusalem erleben. 

Die Zusammenstöße begannen am 13. April mit dem Fastenmonat Ramadan, der von praktizierenden Muslimen eingehalten wird, und verschärften sich, nachdem die israelischen Behörden beschlossen hatten, einige Familien aus dem Viertel Sheikh Jarrah zu vertreiben, das nur wenige Minuten vom historischen Herzen Jerusalems entfernt liegt. 

Seit dem 28. April finden täglich Proteste in Solidarität mit den Familien statt. Jeden Tag, nach dem Iftar, der Mahlzeit, die das Fasten bricht, kommt es in ganz Ostjerusalem zu Ausschreitungen: an der Al-Aqsa-Moschee, dem Damaskustor, dem Löwentor und der Esplanade der Moscheen, wo sich der ikonische Felsendom, die Hauptmoschee der Heiligen Stadt, befindet.

In den Straßen der Altstadt herrscht tagsüber Stille: Viele Geschäfte bleiben geschlossen, nur wenige Gläubige kommen zum Gebet ans Heilige Grab. Schulen und Büros arbeiten mit Ausnahme der Hauptquartiere der humanitären Organisationen, die zu diesem Zeitpunkt sehr damit beschäftigt sind, die erste Hilfe für die Verwundeten zu koordinieren, nur schleppend. 

In Jerusalem herrscht eine Spannung, die nur schwer ein Ventil oder eine Lösung finden kann. Nachts ertönen auf den Straßen und in den Gebäuden die Schreie der Protestierenden, die Sirenen der Polizei, man hört aus nächster Nähe Bombenexplosionen, Schüsse, den Tumult, der dem Abschuss von Gasbomben oder Strahlen mit schmutzigem Wasser auf die Menge folgt, um sie zu zerstreuen. 

All dies geschieht nur wenige Minuten vom Herzen des Christentums entfernt und hindert die Gläubigen, Muslime und Juden eingeschlossen, daran, in Jerusalem zu beten, mit Gelassenheit in der heiligsten aller Städte zu leben. Der Zugang zu Gebetsstätten ist in der Tat eingeschränkt und im Falle der Al-Aqsa-Moschee, einem der Brennpunkte der Auseinandersetzungen, sogar von den Militärbehörden verboten. 

Wegen der Zusammenstöße fand die traditionelle Vigil zu Christi Himmelfahrt auf dem Ölberg nicht statt: Einige Mönche und Gläubige versammelten sich, um die Vesper zu rezitieren, aber die heiße Nacht in Jerusalem wurde nicht durch Musik und Gebete versüßt. Von oben konnte man die blinkenden Lichter der Polizei sehen, man hörte schon die ersten Schallbombenknaller.  Dieser Zustand der immerwährenden Spannung, der immer weiter zunimmt, diese Eskalation der Gewalt, begrenzt jeden Versuch, Brücken des Friedens zu bauen: Sogar unser Terra Sancta Museum, ein paar Schritte vom Löwentor entfernt, wurde vorsorglich geschlossen.

Hier, wo ein Team von internationalen Experten aller Religionen daran arbeitet, Brücken des Dialogs und des Friedens zu bauen, hat die Angst um die Sicherheit unserer Mitarbeiter, der Sammlung und der lokalen Öffentlichkeit, die das Museum frequentiert, überhand genommen. Aber wir geben nicht auf. Selbst wenn – und wir hoffen bald – ein zerbrechlicher Waffenstillstand erreicht wird, werden wir uns weiterhin unermüdlich für einen langen und dauerhaften Frieden einsetzen. Jeden Tag, je nach der uns anvertrauten Aufgabe.