Kustodie des Heiligen Landes

Mit “Kustodie des Heiligen Landes” sind die Franziskaner des Minderbrüder-Orden bezeichnet, die seit den Anfängen des Ordens im südöstlichen Mittelmeerraum leben. Der 1209 vom hl. Franziskus gegründet Orden der Franziskaner hat seit dem 13. Jh. den Auftrag von der Kirche bekommen, die Heiligen Stätten des Heiligen Landes im Namen der ganzen Christenheit zu hüten. Daher der Name “Kustodie” (= Wache) des Heiligen Landes.

„Der hl. Franziskus war ein Mensch der Fleischwerdung – ein in den Mensch gewordenen Christus verliebter Mann. Franziskus wollte auch physisch mit Christus eins werden. Er wollte ganz mit Ihm eins werden, und zwar im konkretesten Sinne des Wortes. Man kann sich nicht mit Christus identifizieren wollen und dabei von dem Ort absehen, wo er gelebt hat”. Pater Pierbattista Pizzaballa, Kustos im Heiligen Land.

Kurze Geschichte (Zusaetzliche Informationen finden Sie auf der offiziellen Homepage der Kustodie des Heiligen Landes)

Der Orden der Franziskaner wurde 1209 vom hl. Franziskus ins Leben gerufen. Nach dem Generalkapitel im Jahr 1217, bei dem der Orden der Franziskaner in Provinzen aufgeteilt wurde, entstand auch die Provinz des Heiligen Landes. Diese umfasst alle Regionen im Südosten des Mittelmeers mit “der Heimat Christi und alle Stätten, an denen sich das Geheimnis unserer Erlösung ereignet hat”. Als solche wurde die Provinz des Heiligen Landes von den Franziskanern stets auch als Perle unter allen ihren Provinzen angesehen.

Zwischen 1219 und 1220 hielt sich der hl. Franziskus selbst in der Provinz des Heiligen Landes auf. In dieser Zeit fand auch die berühmte Begegnung zwischen dem Heiligen und dem Sultan Melek el-Kamel statt. In einer Zeit des Krieges, auf dem Höhepunkt der Kreuzzüge, überwand Franz von Assisi Gräben, um in einem Dialog einzutreten mit dem, der im allgemeinen als der Feind des Abendlandes schlechtin angesehen wurde. Zwar nicht bekehrt, aber doch beeindruckt, ließ der Sultan Franziskus ins Heilige Land weiter ziehen.

1291 fiel Akko, die letzte verbleibende Stadt der Kreuzfahrer im Heiligen Land, in muslimische Hände. Die Franziskaner zogen sich nach Zypern zurück, sie gewährleisteten aber weiterhin eine franziskanische Präsenz in Jerusalem und in anderen Heiligen Stätten im Heiligen Land, oft unter Lebensgefahr und vielen Opfern. Trotz der Schwierigkeiten infolge der muslimischen Herrschaft übten die Minderbrüder auf mannigfaltige Weise ihre Tätigkeit als Seelsorger im Heiligen Land weiter aus.

1333 erwarben die Könige Neapels vom ägyptischen Sultan, unter der Vermittlung eines Franziskaners, das Eigentumsrecht am Abendmahlssaal und die Möglichkeit, Gottesdienste am Heiligen Grab zu feiern. Sie bestimmten, dass die Franziskaner diese Rechte im Namen der christlichen Welt ausüben sollten. 1342 billigte Papst Klemens VI. mit einer Bulle die Entscheidung der Könige Neapels. Dadurch errichtete er offiziell die “Kustodie des Heiligen Landes”. Durch die Jahrhunderte, unter einem hohen Blutzoll und vielen Schwierigkeiten, führten die Franziskaner ihre von der Kirche anvertrauten Aufgaben aus. Sie konnten weitere Heilige Stätte des Christentums erwerben. Ihr Engagement für die Evangelisierung und die Verkündigung christlicher Werte waren entscheidende Faktoren in der Entwicklung der Ortskirche. Bis zum 19. Jh. waren die Franziskaner die einzige im Heiligen Land vertretene katholische Ordensgemeinschaft und die Kustodie bis zur Wiedereinrichtung des Lateinischen Patriarchates von Jerusalem 1847 mit praktisch allen kirchlichen Aufgaben in der Region betraut.

1992 richtete Papst Johannes Paul II. an den General des Ordens der Minderbrüder einen eigenhändig unterzeichneten Brief, in dem er die Übergabe der Heiligen Stätten an den Orden hervorhob und die Franziskaner darin bestärkte, die ihnen damals vom Heiligen Stuhl anvertraute Aufgabe weiter auszuüben. Anlässlich des Jubiläums im Jahr 2000 wies Papst Johannes Paul II. die ganze Welt erneut darauf hin, dass den Minderbrüdern die “Kustodie des Heiligen Landes” durch den Willen der Universalkirche anvertraut wurde.

Die Bedeutung der Kustodie wird vom jetzigen Kustos, P. Pierbattista Pizzaballa OFM, mit folgenden Worten zusammengefasst:

“Die Heiligen Stätten zu erhalten und zu pflegen: Dies war schon immer unsere Hauptaufgabe und ist es bis heute… nach den Kreuzzügen waren die Franziskaner die Einzigen, die in einem Land leben konnten, das von Moslems regiert wurde. Deswegen übergab der Papst dem Orden die Aufgabe, die Heiligen Stätten der Erlösung neu aufzuwerten, sie zu erhalten und zu betreuen und eine katholische Wirklichkeit um die Heiligtümer herum neu aufzubauen. Dabei sollte ein wesentlicher Grundsatz bewahrt werden: aus diesen Steinen „lebendige Steine” zu machen.”

Die Kustodie heute

Die franziskanische Berufung im Heiligen Land umfasst drei wichtige Aufgaben:

1) Das Gebet an den Heiligen Stätten.

Das tägliche Gebet der Brüder an den Heiligen Stätten erinnert alle daran, dass diese Orte kein Museen sind. Jeder von ihnen ist ein Erinnerungsort an einen besonderen Augenblick im Leben Jesu Christi und seiner Jünger. An ihnen zu beten und der Erlösungsgeschichte zu gedenken, heißt, Christus selber zu vergegenwärtigen.

2) Die Aufnahme der Pilger.

Die Aufgabe der Franziskaner besteht nicht nur darin, die Pilger aus der ganzen Welt bei ihrem Aufenthalt im Heiligen Land zu unterstützen, sondern ihnen auch auf ihrem Glaubensweg zu helfen.

3) Die Betreuung der Christen und der Dienst an die Armen.

Von jeher hat sich die Kustodie nicht nur für die Bewahrung der Heiligtümer im konkreten Sinn eingesetzt, sondern auch für den Schutz der «lebendigen Steine» des Heiligen Landes, das heißt der Gläubigen und der christlichen Gemeinschaften, die im Heiligen Land unter schwierigen Umständen leben.

In allen Ländern des Nahen Ostens, in denen die Kustodie anwesend ist, stellen die christlichen Gemeinschaften im Vergleich zu den Moslems bzw. der Juden eine extrem kleine Minderheit dar (zur Zeit bilden sie weniger als 2% der Bevölkerung). Die äußerst schwierige politische Lage, die durch den arabisch-israelischen Konflikt entstand, führte zu einer seit Jahren andauernden massiven Abwanderung der arabisch-christlichen Bevölkerung. Dies verursacht besondere Probleme, die die Franziskaner so gut wie möglich konkret zu lösen versuchen, indem sie den Aufbau von stark motivierten christlichen Gemeinschaften unterstützen.

Die so genannte «Vorzugsoption für die Armen» beschränkt sich nicht nur auf die Christen: Die Franziskaner haben sich seit jeher dafür eingesetzt, den ärmeren Schichten der Bevölkerung zu dienen, ungeachtet ihres religiösen Bekenntnisses. Sie blieben ihrer Aufgabe als Missionare und Propheten der Versöhnung und des Friedens immer treu, sowie der Einfachheit und der Bereitschaft zum Dialog, die der heiligen Franziskus ihnen aufgezeigt hatte.

„Der heilige Franziskus hat von Anfang an unseren Lebensstil hier im Heiligen Land geprägt: Wir leben in einfacher Weise, als Arme, immer im Kontakt mit den Menschen… und suchen dabei ständig den Dialog mit der islamischen Mehrheit. Dieser Dialog nimmt heutzutage auch mit der jüdischen Mehrheit manchmal die Form einer Auseinandersetzung an, ist aber immer brüderlich und frei”. Pater Pierbattista Pizzaballa, Kustos im Heiligen Land und Präsident von ATS pro Terra Sancta.

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