Person des Monats: Naila, Sozialhelferin in Betlehem

In diesem Monat hat der Verein pro Terra Sancta die Initiative „Person des Monats“ ins Leben gerufen: Jeden Monat stellen wir Euch einen der Menschen, die im Heiligen Land leben, vor, damit Ihr den lebenden Steinen näher kommen könnt und die Lebenswirklichkeitan diesen Orten nachempfinden könnt.

Die erste ist Naila Nasser, Sozialhelferin beim Franziskanischen sozialen Hilfsdienst, dem Büro für soziale Unterstützung von der Kustodie des Heiligen Landes in Betlehem.

Naila, erzählst Du uns ein wenig von Deiner Arbeit?

Ich bin froh, ein Social Worker zu sein, ich denke, den Problemen anderer zuzuhören und ihnen zu helfen, eine Lösung zu finden, ist wirklich wichtig. Hier in Betlehem leiden die Menschen aufgrund der wirtschaftlichenSituationin ganz Palästina: viele finden keine geregelte Arbeit, sie können nicht auf regelmäßigeUnterstützung zählen und sie haben keine Möglichkeit, auch nur das Lebensnotwendigste an Essen zu kaufen, Miete zu zahlen oder das Schulgeld für ihre Kinder, oder Kleider zu kaufen. Gerade die Familien haben keine Mittel, um eventuell benötigte medizinische Versorgung oder Medizin zu bekommen, weil das alles so teuer ist.

Wie kam es dazu, dass Du hier arbeitest?

Vor 10 Monaten habe ich als Social Worker in einem Altersheim gearbeitet und im Zentrum für alte Menschen der Gemeinschaft Antoniana in Betlehem. Aber als ich gefragt wurde, das Büro zu wechseln und meine Erfahrung in den Dienst derer zu stellen, die es nötig brauchen, und sich daher an das Zentrum des Gehört-Werdensder Kustodie wenden, war ich sehr froh, diese neue Herausforderung annehmen zu dürfen.

Was sind genau die Tätigkeiten, denen Du an Deinem Tag nachgehst?

Meine Arbeit ist während der Woche aufgeteilt in Tage im Büro, wo ich mich den Menschen in Not widme und ihnen zuhöre, und denmorgendlichenHausbesuchen, vor allem bei Kranken und Alten. Ich versuche, sie moralisch zu unterstützen, indem ich ihnen zeige, dass ich ihnen mit ihren Problemen nahe bin. Und sie bekommen, über das reine Zuhören aus, etwas Geld, um Essen oder Medizin zu kaufen, Kleidung oder Schuhe, ganz wie sie es gerade am dringendsten brauchen.

Naila, was gefällt Dir am besten an Deiner Arbeit?

Einige Menschen fühlen sich wirklich sehr alleine und sehen in mir eine so große Hilfe, dass sie mich sogar anrufen, nur um mir einen schönen Tag zu wünschen. Das ist das, was ich am meisten am Leben in Betlehem liebe, und an meiner Arbeit: die Menschen, ihre Liebenswürdigkeit und ihre Gastfreundschaft. Trotz der schwierigen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Situation – die Palästinenser geben die Hoffnung nicht auf, an eine bessere Zukunft zu glauben und etwas zu finden, was sie am Ende des Tages dennoch Dankbarkeit empfinden lässt.

Was würdest Du jemandem raten, der die Arbeit der Franziskaner in Betlehem unterstützen möchte?

Ich sehe es jeden Tag: Die Vorsehung hat ein großes Herz, und es ist ein Glück, dass diese Menschen auf die Franziskaner der Kustodie im Heiligen Land zählen können, und auf die vielen Freunde, die uns aus der Ferne unterstützen.

Ohne die Hilfe der Brüder und deren Wohltäter wäre der größte Teil der Palästinenser christlichen Glaubens längst emigriert.

Das, was ich an meiner Arbeit sehe, ist, dass die Kustodie einen substanziellen Beitrag leistet für die Kinder und Alten, sei es in ihrem sozialen Umfeld, sei es erzieherisch-didaktisch, und alles, ohne Fragen der Ernährung oder der Gesundheitshygiene zu vernachlässigen. Die Hilfe des FSSO, des Franziskanischen Sozialdienst-Büro, ist eine Rundumunterstützung, die auf die ganze Person schaut, in dem ihr eigenen Mensch-Sein, ohne Vorurteile hinsichtlich Rasse, Geschlecht oder Religion. Dafür müssen wir den vielen Freunden danken, die jeden Tag an uns denken.

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